Training ‚Inklusive Internet‘ in Essen

Das Training im Franz-Sales-Haus in Essen wurde Anfang Mai 2010 vom Trainer Dominik Schwarz durchgeführt. Das Franz-Sales-Haus ist eine katholische Einrichtung der Behindertenhilfe und betreibt zusätzlich zum Hauptsitz über 20 weitere Außenstellen. Entsprechend umfangreich ist das Angebot der Einrichtung: Neben 1.500 Betreuungsplätzen in Wohnheimen befinden sich Sport- und Freizeitanlagen sowie eine Schule für geistig behinderte Menschen auf dem Gelände. Darüber hinaus werden in einer Berufsschule Schüler der Heilerziehungsberufe ausgebildet.

Als Schulungsraum wurde der Computerraum zur Verfügung gestellt, der mit 12 Rechnern und ohne Netzsperren optimal geeignet war. Auch Beamer, Tafel und ein Flipchart standen zur Verfügung.

Zum Einstieg war es dem Trainer besonders wichtig zu erfahren, wo und wie die Schülerinnen und Schüler tätig sind. Die Vorstellungsrunde machte klar, dass sich die jeweils individuellen Anforderungen sehr voneinander unterscheiden. Hier wurde auch deutlich: "Behindertenarbeit" als Oberbegriff umfasst so vielfältige Problemstellungen, dass er kaum als Kategorie dienen kann. In beiden Gruppen erstreckten sich die Tätigkeitsfelder der Teilnehmenden über:

  • Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung leichter Ausprägung (weitgehend freies Wohnen im Wohnheim, teils eigene Internetanschlüsse, selbstständige Nutzung mit Laptop)
  • Arbeit mit Menschen mit geistiger Behinderung schwerer und schwerster Ausprägung (Dauerhafte Betreuung, keine öffentlichen Computer)
  • Arbeit mit Menschen mit körperlicher Behinderung leichter Ausprägung (mit teils motorischen Schwierigkeiten bei der Bedienung des Internets, teils Schwierigkeiten bei der Aufnahme der Inhalte durch z.B. Sehbehinderungen, ...)
  • Arbeit mit Menschen körperlicher Behinderung schwerer und schwerster Ausprägung (Große Schwierigkeiten bei der Bedienung des Internets, große Schwierigkeiten bei der Aufnahme der Inhalte durch z.B. Sehbehinderungen, ...)
  • Arbeit mit Menschen mit Mehrfachbehinderungen
  • Arbeit mit Menschen ohne Geschäftsfähigkeit
  • Arbeit mit Analphabeten

Zusammengefasst lässt sich somit feststellen, dass durch die heterogene (End-)Zielgruppe auch die Ansatzpunkte für Lösungen und Strategien zur Internetkompetenzbildung unterschiedlich sein müssen.

Mit der Übersichtsfolie zum Thema Web 2.0 wurden den Teilnehmenden erst einmal die vielfältigen Angebote im Web 2.0 vermittelt. Besonders feierabend.de als "StudiVZ für Senioren" sorgte nach gemeinsamer Beschäftigung mit der Seite für gewisse Begeisterung. In beiden Schulungen wurde vor allem flickr ausführlich vorgestellt. Zuerst wurde durch den Trainer genau erläutert, was flickr ist. Durch die folgende eigene Recherche zeigten die Teilnehmenden sich vor allem durch die Zahl und Qualität der Bilder beeindruckt und der Trainer stellte an diesem Punkt die Frage in den Raum, ob und wie diese Bilder nun verwendet werden dürfen. Diese Frage blieb zunächst unbeantwortet und wurde im letzten Schulungsteil "Urheberrecht" wieder aufgegriffen. Nach der Schilderung, was alles nicht erlaubt ist, wurde der Bogen zum Beginn der Schulung gespannt und an Hand von flickr das Prinzip von Creative Commons demonstriert. Somit haben die Teilnehmenden zum Thema Bildrecherche das Werkzeug und das Fachwissen für dessen Bedienung kennengelernt und verstanden.

In einem nächsten Schritt wurde dann die Onlineplattform www.alle.de vorgestellt. Diejenigen, die bereits ihre ersten Erfahrungen im Internet gesammelt haben, sind die besten Ratgeber für diejenigen, die dem Medium Internet bisher eher zurückhaltend gegenüberstehen. Sie kennen die Webseiten, deren Inhalte sie selbst überzeugt haben, und die Internetanwendungen, die den Alltag erleichtern oder bereichern. www.alle.de sammelt diese so genannten Surftipps und stellt sie anderen strukturiert nach Zielgruppen und Themen zur Verfügung.

Sehr ausführlich und mit großem Interesse der Teilnehmenden wurde nach der Mittagspause die Youth Protection Roundtable-Matrix besprochen und bearbeitet. Dieses Instrument ist besonders dafür geeignet, um das abstrakte Thema "Internetgefahr" greifbar zu machen. Die Teilnehmenden haben dabei differenzierter über "Gefahren im Netz" nachgedacht und gelernt, dass sehr viele dieser Gefahren von eigenem Handeln beeinflusst sind. Das ist ein aus Sicht der Trainer sehr wesentlicher Punkt, um sich "digital zu emanzipieren" und selbstbewusst die Technologie nutzen zu können. Wer weiß, dass er selbst das Steuer in der Hand hat, der geht sicherer mit den Thematiken um; das Gefühl des "Verlorenseins" verblasst.

Das Modul 3 zu den Themen Internetsicherheit und Urheberrecht wurde ebenfalls mit großem Interesse von den Teilnehmenden verfolgt und aktiv diskutiert. Während Softwarepiraterie mittlerweile fraglos als nicht "legal" eingestuft wird, sind beispielsweise beim Thema Bildrechte bedingt Vorkenntnisse vorhanden. Die erwähnte Recherche auf flickr nach Bildern unter Creative Commons zeigte somit alternative Vorgehensweisen zur rechtssicheren Bildersuche auf. Ähnlich groß war das Interesse für das Thema Datenbeständigkeit. Die Teilnehmenden entdeckten in einer Praxisrunde z.B. über archive.org alte, längst gelöschte Jugendfotos und Informationen über sich selbst. In diesem Zusammenhang hat der Trainer dann über (selbst eingestellte) Daten in Social Networks referiert.

Nach allen abschließenden organisatorischen Fragen und den Hinweisen auf das Schulungsmaterial und letzte Tipps wurde eine Feedbackrunde durchgeführt. Prinzipiell ist festzuhalten: wenn Offliner' sich mit dem Internet beschäftigen sollen, müssen sie zunächst mit etwas konfrontiert werden, was sie begeistert. Nur über Begeisterung kann Interesse, über Interesse dann Wissen geschaffen werden. Dies gilt sowohl für die Arbeit mit den Zielgruppen, als auch für die Arbeit mit den Multiplikatoren. Diese Begeisterung haben fast alle Teilnehmer signalisiert.

Weitere Informationen zum Training ‚Inklusive Internet‘ erhalten Sie unter www.inklusive-internet.de